Ventilatorische Schwellen sind physiologische Übergangspunkte im Belastungsstoffwechsel, an denen sich die Atemregulation des Körpers charakteristisch verändert. Sie spiegeln Veränderungen in der Substratnutzung und im Säure-Basen-Haushalt wider und gelten als wichtige Marker zur Beurteilung der aeroben Leistungsfähigkeit sowie zur Ableitung individueller Trainingszonen. Im Gegensatz zu pauschalen herzfrequenzbasierten Methoden (z. B. „220 minus Alter”) ermöglichen ventilatorische Schwellen eine individualisierte, messbasierte Trainingssteuerung. Die uVida Atem-Stoffwechselanalyse kann diese Schwellen nicht-invasiv über die Analyse der Atemgaszusammensetzung sichtbar machen. Es werden zwei ventilatorische Schwellen unterschieden: VT1 (erste ventilatorische Schwelle, aerobe Schwelle) und VT2 (zweite ventilatorische Schwelle, anaerobe Schwelle).
KERNPUNKTE #
- VT1 markiert den Übergang vom rein aeroben in den gemischt aerob-anaeroben Stoffwechsel und ist mit dem Beginn einer erhöhten Laktatproduktion assoziiert.
- VT2 markiert den Punkt, ab dem der Körper die anfallende Laktatmenge nicht mehr ausreichend puffern kann und die Belastung nur noch über einen begrenzten Zeitraum aufrechterhalten werden kann.
- Beide Schwellen sind individuell verschieden und können durch regelmäßiges Training verschoben werden – ein wichtiger Indikator für Trainingsfortschritt und Leistungsentwicklung.
DETAILABSCHNITTE #
Erste Ventilatorische Schwelle (VT1) – Aerobe Schwelle #
VT1 beschreibt den Belastungspunkt, an dem der Körper beginnt, zusätzlich zur aeroben Energiegewinnung vermehrt anaerobe Glykolyse einzusetzen. Dies führt zu einem Anstieg der Laktatkonzentration im Blut, der jedoch zunächst noch durch körpereigene Puffersysteme kompensiert werden kann. Aus atemphysiologischer Sicht ist VT1 erkennbar an einem überproportionalen Anstieg der Ventilation (Atemminutenvolumen) sowie einem Anstieg des VE/VO2-Quotienten (Atemäquivalent für Sauerstoff), ohne dass gleichzeitig der VE/VCO2-Quotient ansteigt. Unterhalb von VT1 befindet sich der Körper im rein aeroben Bereich. Dieser Bereich eignet sich besonders für:
- Regenerationstraining
- Grundlagenausdauer und Fettstoffwechseltraining
- Langzeitbelastungen mit hohem Fettverbrennungsanteil
Zweite Ventilatorische Schwelle (VT2) – Anaerobe Schwelle #
VT2 beschreibt den Belastungspunkt, an dem die Laktatproduktion die Kapazität der Puffersysteme übersteigt. Der pH-Wert im Blut beginnt zu sinken (metabolische Azidose), was den Körper zwingt, die Ventilation stark zu erhöhen, um überschüssiges CO2 abzuatmen und den pH-Wert zu stabilisieren. Atemphysiologisch ist VT2 erkennbar an einem gleichzeitigen Anstieg beider Atemäquivalente (VE/VO2 und VE/VCO2). Oberhalb von VT2 ist eine Dauerbelastung physiologisch nur noch für eine begrenzte Zeit möglich. Der Bereich zwischen VT1 und VT2 wird häufig als „Schwellenbereich” oder „Tempoausdauerbereich” bezeichnet und ist relevant für:
- Wettkampfspezifisches Training
- Laktatschwellentraining
- Verbesserung der maximalen Dauerleistungsfähigkeit
Oberhalb von VT2 liegt der hochintensive anaerobe Bereich, der für Intervalltraining und maximale Leistungsentwicklung genutzt wird.
Trainingszonensysteme und ventilatorische Schwellen #
Verschiedene Trainingszonensysteme verwenden VT1 und VT2 als Grundlage. Ein gängiges 3-Zonen-Modell unterscheidet: Zone 1 (unterhalb VT1): Aerober Grundlagenbereich, hoher Fettverbrennungsanteil, nachhaltig und regenerativ. Zone 2 (zwischen VT1 und VT2): Schwellenbereich, gemischte Substratnutzung, trainiert die Laktattoleranz und Dauerleistungsfähigkeit. Zone 3 (oberhalb VT2): Hochintensiver anaerober Bereich, kurze Belastungsdauer, maximale Leistungsentwicklung.
Weit verbreitet ist aber auch das 5 Zonen Modell, welches auch bei uVida Anwendung findet. Hier sind die Pulszonen wie folgt eingeteilt: REKOM: Herzfrequenz für regeneratives Training GA1 (Grundlagenbereich 1): Aerober Grundlagenbereich, hoher Fettverbrennungsanteil, nachhaltig und regenerativ. GA2 (Grundlagenbereich 2): Schwellenbereich, gemischte Substratnutzung, trainiert die Laktattoleranz und Dauerleistungsfähigkeit. EB (Entwicklungsbereich): intensiver anaerober Bereich, kurze Belastungsdauer, Intervallmethoden SB (Spitzenbereich): hochintensiver anaerober Bereich, Wettkampfvorbereitung, hochintensive Intervallmethoden
Auf Basis der uVida Aktivitätsanalyse können diese Zonen individuell und messbasiert bestimmt werden, anstatt auf Schätzformeln zurückzugreifen.